European Research Workshop zum internationalen Handel

ENGAGEMENT

Mittwoch 27 Oktober 2021

Die UniCredit Foundation war auf der Piazza Gae Aulenti Gastgeber der wichtigsten internationalen Wirtschaftsveranstaltung in Europa, die jedes Jahr die führenden Persönlichkeiten aus den Bereichen Wirtschaftswissenschaften und Forschung der renommiertesten internationalen Universitäten und Forschungszentren zusammenbringt.

2:00 min

Vom 20. bis 22. Oktober fand im Tree House des UniCredit Tower in Mailand der „European Research Workshop in International Trade“ (ERWIT) des Centre for Economic Policy Research (CEPR) statt, der dieses Jahr von der UniCredit Foundation ausgerichtet und in Zusammenarbeit mit der Universität Mailand, dem Centro Studi Luca d'Agliano, dem Horizon 2021 MICROPROD Project, dem Baffi Carefin Centre und dem Boroli Chair in European Studies der Bocconi University organisiert wurde.

 

Der „European Research Workshop in International Trade“ (ERWIT) ist die wichtigste Veranstaltung im Bereich der internationalen Wirtschaft in Europa, die jedes Jahr die führenden Persönlichkeiten aus den Bereichen Wirtschaftswissenschaften und Forschung der renommiertesten Universitäten und Forschungszentren der Welt zusammenbringt. Sie bietet eine einzigartige Gelegenheit, globale wirtschaftliche Herausforderungen in einer informellen Atmosphäre zu diskutieren.

 

In diesem Jahr wurde die Veranstaltung vom UniCredit-Vorsitzenden, Professor Pier Carlo Padoan, eröffnet, und wir haben den Initiator der Initiative, Professor Giorgio Barba Navaretti, Berater der UniCredit Foundation und Präsident der Marco Fanno Fellows Association, interviewt.

Herr Professor Barba Navaretti, was können Sie uns in Ihrer Funktion als wissenschaftlicher Direktor des Centro Studi Luca d'Agliano und Research Fellow des Centre for Economic Policy Research (CEPR) über diesen Workshop erzählen?

Der „European Research Workshop in International Trade“ ist der wichtigste Bezugspunkt für europäische Wirtschaftswissenschaftler:innen, und wir freuen uns besonders, dass wir ihn dank der Unterstützung der UniCredit Foundation in diesem Jahr in Mailand veranstalten konnten. ERWIT ist das Aushängeschild einer transversalen Gruppe von Wissenschaftler:innen, und die aktive Unterstützung der Stiftung hat es uns ermöglicht, einige der weltbesten Wirtschaftswissenschaftler:innen, die sich mit internationalem Handel beschäftigen, auf die Piazza Gae Aulenti einzuladen. So zum Beispiel Gene Grossman von der Princeton University und dem CEPR sowie Pol Antras von der Harvard University und dem CEPR. 

Nicht zu vergessen Mike Spence, der 2001 zusammen mit Joseph E. Stiglitz und George A. Akerlof den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften „für ihre Analyse von Märkten mit asymmetrischer Information" erhielt, Beata Javorirck, Chefvolkswirtin der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD), Marion Jansen, Direktorin der Direktion Handel und Landwirtschaft der OECD, und Philippe Martin, Professor an der Sciences Po und Präsident des französischen Rates für Wirtschaftsanalyse. Abgesehen von der außergewöhnlichen Qualität der Vortragenden und Gäste freue ich mich, feststellen zu können, dass die behandelten Themen für das Verständnis einiger Probleme der Globalisierung, einschließlich der globalen Wertschöpfungskette, von zentraler Bedeutung waren. Desgleichen haben wir Schwerpunkte in den Bereichen Arbeit, Migration und Umwelt identifiziert.

 

Das von Michel Porter entworfene Modell der globalen Wertschöpfungskette ist sicherlich wichtig. Aber wie relevant ist es heute noch?

Dieses Modell ist, auf die globale Ebene übertragen, hochaktuell, da es die Grundlage für die Erholung nach der Pandemie bildet. Der wirtschaftliche Aufschwung wird durch Engpässe in der weltweiten Produktion gebremst: man denke nur an die Blockade des Hafens von Long Beach, der das amerikanische Tor für chinesische Container ist. Oder an die Schwierigkeiten bei der Belieferung des Vereinigten Königreichs aufgrund des Mangels an LKW-Fahrer:innen und des exponentiellen Anstiegs der Frachtraten. Wir sind Zeugen des Paradoxons, dass die Verlangsamung der Pandemie zu einer Verknappung der globalen Wertschöpfungskette geführt hat. Die Folge davon ist einerseits eine Tendenz zur Rückkehr der Produktion in die Ursprungsländer und andererseits ein mehr oder weniger deutlicher und weit verbreiteter Anstieg des Protektionismus. Bidens Amtsantritt hat den protektionistischen Druck in einem so wichtigen Land wie den Vereinigten Staaten nicht verringert. Bei einer derartigen Wertschöpfungskette führt der Einsatz protektionistischer Maßnahmen zu Störungen in der nationalen Wirtschaft. Wir haben es heute mit einer immer komplexeren Produktionsorganisation zu tun, bei der für die Herstellung eines Computers Komponenten aus zehn verschiedenen Ländern zusammengefügt werden müssen und bei der das reibungslose Funktionieren der globalen Wertschöpfungskette für das reibungslose Funktionieren der Wirtschaft entscheidend ist.

 

Sie sind also der Meinung, dass die Organisation des Europäischen Forschungsworkshops für internationalen Handel in Mailand zu diesem Zeitpunkt von großer Bedeutung ist?

Ja, ich kann nicht verhehlen, dass sich die Ereignisse zu unseren Gunsten entwickelt haben. ERWIT ist die wichtigste internationale Wirtschaftsveranstaltung in Europa. Wir dürfen nicht vergessen, dass die Hälfte der Gäste Amerikaner oder Gastprofessoren aus den USA sind. Es ist auch die erste große Veranstaltung nach einer langen Zeit, bei der die Teilnahme wieder persönlich möglich war.

Die perfekte Mischung aus Qualität und informellem Charakter, die durch die Organisation der UniCredit Foundation möglich wurde, ist die ideale Basis für akademische Konferenzen, bei denen auch das Networking von größter Bedeutung ist. Ich persönlich habe beim informellen Zusammentreffen nach der Konferenz an einigen sehr interessanten Diskussionen teilnehmen können und spannende Denkanstöße erhalten.

Und schließlich war ich sehr erfreut über die Anwesenheit zahlreicher junger europäischer Wissenschaftler:innen (Postdocs, Assistenzprofessor:innen) und Alumni, die im Laufe der Jahre Wettbewerbe der UniCredit Foundation und der Marco Fanno Association, deren Präsident ich bin, gewonnen hatten. Und glauben Sie mir, dies hat mir große Freude bereitet.